Online-Training 2
- Modul 2

Räume der Vielfalt schaffen

Einleitung

Gemeinschaftsgärten können großartige Orte sein, an denen Menschen aller Hintergründe und Altersgruppen mit unterschiedlichen sozialen und gärtnerischen Erfahrungen zusammenkommen können. Dieses Modul konzentriert sich darauf, was es braucht, damit sich all diese Menschen im Garten wohlfühlen. Wir erkunden das Konzept der sicheren Räume und überlegen, was wir brauchen, um ein solcher Raum zu werden. Wir diskutieren organisatorische Herausforderungen und entwickeln Strategien zur Überwindung von Barrieren, um das Potenzial solcher Projekte voll auszuschöpfen. Bei der Planung eines Gartens oder der Umstrukturierung von Gartenbereichen stellen wir einige Methoden vor, die für Gruppen von Menschen nützlich sind, die nicht alle eine gemeinsame Sprache sprechen.

Die Lernziele dieses Moduls sind:

  • Verständnis für das Konzept sicherer und inklusiver Räume
  • Wissen darüber zu erlangen, wie man einen Gemeinschaftsgarten sicherer und inklusiver gestalten kann
  • Ideen zu entwickeln, wie man eine größere Vielfalt von Menschen erreichen kann
  • Zu verstehen, wie man die Bedürfnisse verschiedener Menschen bei der Planung des Gartens berücksichtigt
  • Lernen, Hindernisse für die Teilnahme zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um diese zu überwinden

Lektionen

Die Schaffung sicherer und inklusiverer Räume in Gemeinschaftsgärten ist wichtig, um eine einladende Umgebung zu schaffen, in der sich alle Teilnehmer*innen wertgeschätzt und unterstützt fühlen. In diesem Kapitel wird das Konzept der „sichereren Räume“ untersucht und betont, dass Sicherheit subjektiv ist und von Person zu Person variiert. Durch die Umsetzung integrativer Praktiken, wie mehrsprachige Beschilderung und gemeinsame Feiern, können Gärten Diskriminierung abbauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit fördern. Darüber hinaus werden Strategien zur Erhöhung der Vielfalt innerhalb von Gartengruppen erörtert, um sicherzustellen, dass alle, insbesondere marginalisierte Gemeinschaften, zum Gartenerlebnis beitragen und davon profitieren können.

Ein sicherer Raum ist eine unterstützende, nicht bedrohliche Umgebung, in der sich alle Teilnehmer*innen wohl fühlen können, um sich auszudrücken und Erfahrungen auszutauschen, ohne Angst vor Diskriminierung oder Repressalien zu haben. Wir verwenden das Wort „sicherer“, um anzuerkennen, dass Sicherheit relativ ist: Nicht jeder fühlt sich unter den gleichen Bedingungen sicher. Indem wir die Erfahrungen jeder Person im Raum anerkennen, hoffen wir, eine möglichst sichere Umgebung zu schaffen.“ LINK

Ein sicherer Raum heißt Teilnehmer*innen aller Hintergründe aktiv willkommen. Er stellt sicher, dass jeder als gleichberechtigtes, geschätztes Mitglied der Gruppe behandelt wird. Er bringt allen Respekt entgegen.

Es ist ein Raum zum Lernen und zum Austausch, in dem man Fehler machen und gemeinsam an der Verbesserung des Raums arbeiten kann. Ein integrativer Raum ermöglicht es allen Teilnehmern, wertvolle Beiträge zu leisten und Mitgestalter zu sein. Das Konzept der sicheren Räume beinhaltet, dass jeder die Grundsätze des Raums kennt. Es beinhaltet auch, dass es eine Möglichkeit gibt, über Situationen zu sprechen, in denen sich Menschen nicht sicher gefühlt haben, und Wege zu finden, mit ihnen umzugehen. Ziel ist es, eine positive Atmosphäre der Fürsorge und des Respekts zu schaffen. „Wir alle haben eine Rolle beim Aufbau einer einladenden und integrativen Gesellschaft zu spielen.“ Gardens of Sanctuary

Wenn wir unsere Gemeinschaftsgärten zu sichereren und integrativeren Orten machen, ist das für alle, die sich im Garten aufhalten, von Vorteil. Es gibt uns das Gefühl, willkommen zu sein, geschätzt zu werden und gebraucht zu werden. Menschen, die in ein neues Land eingewandert oder geflüchtet sind, erleben in ihrem Alltag oft Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung. Wenn Sie Ihren Garten zu einem sichereren Ort machen, können sie eine Pause davon einlegen, Flüchtling oder Migrant zu sein. Es bietet Menschen die Möglichkeit, Mitglied des Gartens zu werden, unabhängig von ihrer Herkunft.

Wenn Menschen einen Raum als sicheren Raum wahrnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie Teil der Gemeinschaft werden und ihre Meinungen sowie Fähigkeiten und Kompetenzen einbringen. Menschen entwickeln ein Zugehörigkeitsgefühl und gewinnen an Selbstbewusstsein. Dadurch tragen sichere Räume zur psychischen Gesundheit der Menschen bei.

PROBIERT ES SELBST AUS:

Wenn eure Gruppe schon eine Weile aktiv ist, nehmt euch bei einem Gartentreffen etwas Zeit, um herauszufinden, was es für euch bedeutet, sich sicher zu fühlen.

Um einen Gemeinschaftsgarten sicherer und integrativer zu gestalten, muss zunächst ein Bewusstsein für die Bedeutung eines solchen Ortes geschaffen werden. Die Aufnahme entsprechender Richtlinien in die Gartenordnung oder den Verhaltenskodex kann ein guter Ausgangspunkt sein. Wie man Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund aktiv willkommen heißt und dafür sorgt, dass sich alle Teilnehmer gleichermaßen willkommen fühlen, ist dann eine Frage der Praxis und der Gartenkultur. Dies können kleine Dinge sein, wie Schilder in verschiedenen Sprachen oder das Angebot von Tee bei jeder Sitzung.

Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, Ihren Gemeinschaftsgarten zu einem sichereren und integrativeren Ort zu machen. Im Folgenden finden Sie drei Vorschläge, die Ihnen dabei helfen können, ein Bewusstsein zu schaffen und Ihre Absichten in die Tat umzusetzen.

Gartenregeln

Erstellen Sie Ihre Gartenregeln gemeinsam in der Arbeitsgruppe oder der Gruppe der Gärtner, die ständig vor Ort sind. Überlegen Sie, was für alle wichtig ist, wie Sie miteinander umgehen und wie Sie mit schwierigen Situationen umgehen möchten, während Sie das Sicherheitsgefühl der Menschen gewährleisten.

Einige Fragen, die ihr euch in der Gruppe stellen könnt:

Was sind eure Ziele in Bezug auf Gleichberechtigung und Vielfalt?

Welches Verhalten möchtet ihr fördern? Welche Verhaltensweisen möchtet ihr in eurer Gartengruppe verbieten?

Wie geht ihr vor, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält?

Stellt sicher, dass ihr Regeln aufstellt, um Belästigung und diskriminierendes Verhalten zu verbieten, und sprecht auch darüber, wie ihr damit umgehen wollt.

Menschen willkommen heißen
  • Führen Sie spezielle Begrüßungsrunden durch – manchmal kann es das Wohlbefinden steigern, wenn Gruppen nach ihren Bedürfnissen oder Erfahrungen aufgeteilt werden. Sitzungen nur für Frauen sind ein klassisches Beispiel
  • Richte ein Patensystem ein: Stelle sicher, dass neu angekommene Teilnehmer wissen, an wen sie sich bei Fragen oder Problemen wenden können. Ein Pate kann noch mehr sein: Sie können gemeinsam in den Garten kommen, in der ersten Phase dort zusammenarbeiten und die neue Person näher vorstellen.
  • Übersetzen Sie wichtige Informationen und Anweisungen in die Sprachen, die Ihre Mitglieder/Teilnehmer sprechen.
  • Feiern Sie gemeinsam: Verschiedene Menschen feiern verschiedene Feiertage. Eine Möglichkeit, die Vielfalt anzuerkennen, besteht darin, einen Kalender mit den Feiertagen aller Gärtner zu erstellen und einige davon gemeinsam zu feiern. Dabei kann es sich sowohl um religiöse Feiertage als auch um den Tag der Menschenrechte oder den Black History Month handeln.
  • Seid geduldig und denkt daran, dass wir alle lernen.
Schaffen Sie Lernmöglichkeiten

Wir können alle voneinander lernen. Schafft Gelegenheiten, bei denen Gärtner*innen ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen, das für den Garten relevant ist, austauschen können. Dabei kann es sich um verschiedene Anbaumethoden, die Verwendung von Pflanzen, Kochkurse oder Führungen handeln, bei denen Gärtner ihre Gartengeschichten erzählen. Weitere konkrete Aktivitäten finden sich in Modul 3.

In manchen Gärten ist die Nachbarschaft sehr vielfältig und Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund interessieren sich für Gartenarbeit und schließen sich der Gartengruppe an, weil sie die Möglichkeit direkt vor ihrer Haustür sehen. Andere Gärten werden von einer homogeneren Gruppe genutzt und möchten Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund einbeziehen oder sie werden von Anfang an als interkulturelle Gemeinschaftsgärten geplant und entwickeln ein Konzept, wie Menschen mit möglichst unterschiedlichem Hintergrund angesprochen werden können.

Unabhängig von Ihrem Konzept oder Ihrer Ausgangssituation solltet ihr darüber nachdenken, Ziele zu definieren und geeignete Schritte zu deren Erreichung überlegen.

Wie man eine größere Vielfalt von Menschen erreicht

Überlege, wer bereits Teil der Gartengruppe ist, wer zu den Besuchern zählt und wer fehlt.

Überlege, wer bereits Teil der Gartengruppe ist, wer zu den Besuchern zählt und wer fehlt. Legt Ziele fest: Wer sollte Teil der Gruppe werden oder den Garten für seine Aktivitäten nutzen? Möchten ihr einfach jeden einladen, der in der Nähe wohnt, oder bestimmte Gruppen einbeziehen? Strebt ihr eine möglichst große Vielfalt an, wie im interkulturellen Garten Wiltenlink(learning.ugain.eu/portfolio/at10/) oder wollt ihr euren Raum für alle öffnen, die eine Grünfläche zum Neuwurzeln brauchen?

Setzt auch eure Grenzen: Was könnt ihr als Gruppe bewältigen? Ist es in Ordnung, wenn Menschen mit besonderen Bedürfnissen nach Unterstützung in den Garten kommen? Könnt ihr Menschen aufnehmen, die keinen festen Wohnsitz haben? Je nach den Antworten auf diese Fragen wählt ihr verschiedene Aktivitäten aus, zu denen ihr Menschen einladen könnt. Hier ein paar Vorschläge:

Legt am Eingang eine Einladung in verschiedenen Sprachen aus. Erklärt kurz, wie man teilnehmen kann.

Arbeitet mit Organisationen verschiedener Gemeinschaften zusammen: Fragt sie, ob ihr den Garten bei einem ihrer Treffen vorstellen könnt. Bittet die Gruppenleiter, Personen, die Interesse an grünen Aktivitäten oder an Treffen mit Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zeigen, zum Garten zu schicken.

Wenn ihr ausdrücklich Flüchtlinge einladen möchtet, könnt ihr auch mit Flüchtlingsheimen zusammenarbeiten und den Garten an ihren Pinnwänden oder in offenen Sitzungen vorstellen. Nimm Kontakt zu den Freiwilligen in den Einrichtungen auf und frage sie, ob sie bereit sind, die Bewohner in den Garten zu begleiten oder das Projekt unter ihnen bekannt zu machen. Menschen brauchen oft jemanden, dem sie vertrauen, um einen neuen Raum und eine neue Gruppe zu betreten. Auch Vereine, die mit Flüchtlingen arbeiten und Fahrradwerkstätten, Workshops für Kinder oder Sprachkurse anbieten, könnten wichtige Partner sein.

Erstelle eine mehrsprachige Social-Media-Präsenz und lade die verschiedenen oben beschriebenen Interessengruppen ein, deine Inhalte zu teilen.

Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten: Falls Mitglieder verschiedener Gemeinschaften bereits Teil eurer Gartengruppe sind, bittet sie, den Garten in ihren Gemeinschaften zu bewerben.

Bietet im Garten auch andere Aktivitäten als Gartenarbeit an:

Viele Gärten haben die Erfahrung gemacht, dass Gartenarbeit für geflüchtete Menschen nicht oberste Priorität hat. Das Angebot von Konversationskursen hat sich als attraktiv für Menschen erwiesen, die ihre Sprachkenntnisse verbessern und mit anderen Menschen in Kontakt treten möchten. Ein Begegnungscafé war in verschiedenen Gärten ebenfalls sehr erfolgreich. Es fand jede Woche an einem festen Tag statt und die Menschen waren eingeladen, daran teilzunehmen. Es stellte sich heraus, dass viele mit offenen Fragen zu ihrem Asylverfahren kamen oder einfach nur etwas Zeit im Freien verbringen und sich in angenehmer Atmosphäre unterhalten wollten. Einige der regelmäßigen Besucher wurden später Gärtner.

2 Beispiele:

Interkultureller Garten Rosenduft: suedost-ev.de/interkultureller_garten/interkultureller_garten.php

Begegnungscafé im Projekt Bunte Daumen Kufstein:

https://learning.ugain.eu/portfolio/at7-activity/

Weitere Beispiele findest du im Modul 3

Kinder als Botschafter:

Kinder sind oft begeistert von der Gartenarbeit. Einige Gärten begannen, mit Kindern unterschiedlicher Herkunft zusammenzuarbeiten und boten spezielle Aktivitäten für sie an. In einigen Gärten war dies das einzige Ziel und sie blieben hauptsächlich Kindergärten. Sie passten den Garten an, um ihn für Kinder nutzbar zu machen und ihren Bedürfnissen und Interessen gerecht zu werden. In anderen Gärten war die Arbeit mit Kindern eine Möglichkeit, Eltern und andere erwachsene Verwandte anzusprechen, die eingeladen wurden, ihren Kindern zu folgen und sich dem Garten anzuschließen. In vielen Fällen war diese Strategie recht erfolgreich.

Lektion Quiz

In dieser Lektion beschäftigen wir uns mit der räumlichen Dimension von Gemeinschaftsgärten und untersuchen, wie Standort, Infrastruktur und Pflanzenvielfalt die Beteiligung und Inklusivität beeinflussen. Die Wahl des Gartenstandorts kann verschiedene Gemeindemitglieder anziehen oder abschrecken, daher ist es wichtig, die Zugänglichkeit und die Dynamik der Nachbarschaft zu berücksichtigen. Darüber hinaus erörtern wir die Bedeutung der Schaffung einer einladenden Infrastruktur, wie z. B. mehrsprachige Schilder und Gemeinschaftsräume, um Verbindungen zwischen verschiedenen Teilnehmern zu fördern. Schließlich betonen wir den Wert der Einbeziehung verschiedener Pflanztechniken und kultureller Praktiken, die den Garten zu einem reichen Mosaik gemeinsamer Erfahrungen und Ressourcen machen.

Schon die Lage deines Gartens hat einen Einfluss darauf, wer teilnimmt und wer nicht, oder was nötig ist, um verschiedene Menschen in den Garten zu locken.

Wenn dein Garten bereits existiert

Du leitest einen Gemeinschaftsgarten und überlegst, neue Leute einzubeziehen? Dann schau dir an, wo du dich befindest und was um dich herum passiert. Liegt dein Garten in der Nähe eines bewohnten Gebiets oder befindest du dich irgendwo am Stadtrand oder in einer ländlichen Gegend? Wie vielfältig ist die Nachbarschaft, in der du dich befindest? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel, um deinen Garten zu erreichen?

Wenn du planst, einen neuen Garten anzulegen

Wenn der Bereich deines Gartens noch nicht festgelegt ist, solltest du dich zunächst wieder mit deiner Zielgruppe befassen. Wer sind die Menschen, die den Raum nutzen sollten, und wo leben oder arbeiten sie? Sobald du einen oder mehrere Bereiche definiert hast, in denen ein Garten sinnvoll sein könnte, kannst du mit der Suche nach geeigneten Flächen beginnen.

Je nach Zielgruppe können dies Grundstücke auf dem Gelände von Flüchtlingsheimen, Grün- oder Brachflächen in verschiedenen Stadtvierteln, halbprivate Grundstücke in Sozialwohnungsgebieten und Ähnliches sein.

Als nächstes musst du den Grundbesitzer kontaktieren.

Wie jeder Gemeinschaftsgarten benötigt auch ein interkultureller Garten eine Garteninfrastruktur wie Beete, Wege, Geräteschuppen, Möglichkeiten zur Bewässerung und Ähnliches. Darüber hinaus könnte man an eine spezifische Infrastruktur denken, damit sich alle willkommen fühlen und ihre Bedürfnisse erfüllt werden.

Dies reicht von mehrsprachiger Beschilderung zu verschiedenen Bereichen, Orten, an denen man sich treffen oder allein sein kann, bis hin zu Hygieneeinrichtungen.

Orte, an denen man sich treffen, essen und Essen zubereiten kann

Gemeinschaftsgärten sind Orte, an denen man neue Leute kennenlernen und alte Freunde treffen kann. Stellt sicher, dass es Sitzgelegenheiten wie Stühle und Tische, einen Picknickbereich oder etwas anderes gibt, das zu den Mitgliedern eurer Gemeinschaft passt. Um sich auch an kühleren oder regnerischen Tagen treffen zu können, ist ein überdachter Raum von großem Vorteil. Dies kann eine überdachte Pergola, eine Jurte, ein Tipi oder ein erweitertes Gartenhaus sein. Einige Leute haben vielleicht Erfahrung mit mobilen, einfach zu errichtenden Einrichtungen. Vielleicht möchten sie einen Beitrag leisten.

Das Anbieten und Teilen von Essen ist Teil vieler (Garten-)Kulturen und ein Mittel, um Gemeinschaft zu schaffen und zu feiern. Wenn möglich, sollten Einrichtungen zur Zubereitung von Speisen und Getränken, zum Spülen und Aufbewahren von Geschirr bereitgestellt werden. Dies kann eine kleine Außenküche, ein Samowar zur Zubereitung und zum Angebot von Tee oder etwas Anspruchsvolleres wie ein Lehmofen sein.

Inspirierendes Beispiel: Zusammen mit einer Gruppe junger Menschen baute der Interkulturelle Landschaftsgarten im Rahmen eines Lehmbau-Workshops einen Lehmofen. Die am Bau beteiligten Personen waren hauptsächlich junge Menschen, die nicht zur Gartengruppe gehörten, sowie einige Männer. Während der Bauarbeiten brachten Frauen, die ursprünglich aus Kurdistan stammen, ihre Erfahrung im Umgang mit einem solchen Ofen ein und erklärten, was für die Brotherstellung benötigt wird. Sobald der Ofen fertig war, waren es diese Frauen, die wussten, wie man den Ofen benutzt, und die ihn am häufigsten benutzten.

Mehrsprachige Schilder

Hilf allen im Garten, herauszufinden, wo was zu tun ist und was nicht.

PROBIERE ES SELBST AUS:

Sammelt bei einem Gartentreffen Orte und Einrichtungen, die ein Namensschild oder einen Wegweiser erhalten sollten. Benennt diese gemeinsam in allen im Garten vorhandenen Sprachen. Erstellt Schilder mit all diesen Wörtern und vielleicht sogar einer Zeichnung.

Orte, an denen man alleine sein kann

Menschen, die ein Trauma erlebt haben oder einen sehr stressigen Alltag haben, möchten manchmal vielleicht lieber für sich sein. Versuche, in deinem Garten Bereiche zu schaffen, in denen Gärtner ungestört Zeit verbringen können, ohne dass ihnen Fragen gestellt werden, und weise deutlich darauf hin. Das kann eine Hängematte, eine Pergola oder auch ein Beet sein, in dem die Menschen sich bereit erklären, leise zu arbeiten.

Toiletten

Wenn sich dein Garten in der Nähe der Häuser deiner Mitglieder oder einer öffentlichen Einrichtung befindet, ist es wahrscheinlich einfach, die dortigen Toiletten zu benutzen. Wenn dein Garten irgendwo zwischen Wald und Feld liegt, denkst du vielleicht, dass es keine Toilette braucht. Wir haben andere Erfahrungen gemacht. Vor allem Frauen fühlen sich oft unwohl, wenn sie längere Zeit im Garten verbringen, ohne Zugang zu einer richtigen Toilette zu haben – mit dem Ergebnis, dass sie vielleicht gar nicht erst kommen.

Eine Kompost- oder Trenntoilette könnte das Problem lösen.

PROBIERT ES SELBST AUS:

Lade Gemeindemitglieder ein, sich einen Gartentag nach einer stressigen Woche vorzustellen. Bitte sie, den Tag zu durchleben, in Gedanken durch den Garten zu spazieren und sich vorzustellen, was sie tun und wo sie sich aufhalten würden. Was würden sie brauchen, um den Garten noch mehr zu genießen?

Oder

Richte einen Briefkasten für Wünsche und Bedürfnisse ein, in den die Menschen ihre Ideen einwerfen können, die dann beim nächsten Gartentreffen besprochen werden können.

Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der Anbau von Obst und Gemüse funktioniert. Gemeinschaftsgärten bieten eine großartige Möglichkeit, Pflanzen anzupflanzen, die die Menschen aus ihrer Kindheit kennen, und ihre eigenen Pflanztechniken anzuwenden. Der Garten kann eine Quelle für Kräuter und Gemüse sein, die auf dem Markt schwer zu finden sind oder die beim Kauf sehr teuer sind, aber ein wichtiger Bestandteil der Ernährung der Menschen sind.

Sei unvoreingenommen, wenn es darum geht, wer was und wie anpflanzen möchte, sei es auf einzelnen Parzellen oder auf einem Gemeinschaftsfeld. Menschen mit unterschiedlicher Gartenerfahrung können Innovationen in den Garten bringen.

Einige Beispielbilder:

Barangay Garden: Klettergerüste für fast alles
Anbau von Gandhana – ein sehr wichtiges Kraut für die afghanische Küche
Das Milpa-Beet eines mexikanischen Gärtners

Legt gleichzeitig ein paar Grundregeln fest, wie „keine Verwendung von synthetischen Pestiziden und Herbiziden“ oder „kein Pflanzen von invasiven Arten oder Arten, die dazu neigen, sich im ganzen Garten auszubreiten“

Achtet auch darauf, welche Gartentechniken zu eurem Standort passen und welche Einschränkungen ihr habt. Tiefere Beete, die in Gebieten mit wenig Niederschlag Wasser sammeln sollen, sind wahrscheinlich keine gute Idee für Lehmböden in regenreichen Gebieten. In einigen Gebieten, die für den Landschafts- oder Naturschutz sensibel sind, kann der Bau von Strukturen wie Kletterhilfen oder Tomatenhütten verboten sein.

Die Planung des Gartens beginnt oft, wenn man einen definierten Raum hat, in dem der Garten angelegt werden soll. Obwohl es noch keinen Garten gibt, handelt es sich selten um eine ebene Fläche ohne gegebene Umstände und Strukturen. Daher ist es ein wichtiger Ausgangspunkt des Planungsprozesses, zu berücksichtigen, was bereits vorhanden ist. Aber auch in einem bereits bestehenden Gemeinschaftsgarten erfordert die Einrichtung neuer Bereiche oder die Umstrukturierung bestehender Bereiche einen Planungsprozess. In einem interkulturellen Garten sprechen einige Menschen möglicherweise nicht fließend eure gemeinsame Sprache. Daher können Planungswerkzeuge, die mit wenig gesprochener Sprache auskommen, hilfreich sein. Seid euch auch bewusst, dass Menschen unterschiedliche Orientierungskonzepte haben. Die Einbeziehung von Orientierungspunkten in euren Plan und in Karten kann dazu beitragen, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen.

Hier sind einige Methoden und Ansätze für die Gartenplanung, die sich auf nonverbale Elemente konzentrieren.

Weitere Informationen zum Planungsprozess im Allgemeinen finden Sie im Lernpfad 1

Lektion Quiz

In diesem Kapitel befassen wir uns mit verschiedenen Hindernissen, die in Gemeinschaftsgärten auftreten können, insbesondere in solchen mit Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Erfahrungen. Von Sprachunterschieden bis hin zu kulturellen Kommunikationsstilen, psychischen Problemen und wirtschaftlichen Zwängen können diese Hindernisse die Teilnahme und Inklusivität beeinträchtigen. Wir betonen, wie wichtig es ist, diese Schwierigkeiten zu erkennen, und konzentrieren uns auf praktische Strategien wie mehrsprachige Beschilderung, inklusive Kommunikationsmethoden und finanzielle Unterstützung.

Glücklicherweise funktioniert die gemeinsame Gartenarbeit auch ohne gemeinsame verbale Sprache recht gut.

Dennoch wird das Fehlen einer gemeinsamen verbalen Sprache oft als Barriere empfunden. Es ist unangenehm, sich nicht ausdrücken und seine Gedanken und Gefühle nicht so mitteilen zu können, wie man es möchte oder gewohnt ist. Versucht, diese Barriere so weit wie möglich abzubauen und schätzt Mehrsprachigkeit.

Übersetzung, Dolmetschen und Kommunikation jenseits der verbalen Sprache sind drei Schlüsselaspekte für das Verständnis in mehrsprachigen Gruppen.

Übersetzung für wichtige Dinge

Du möchtest Menschen, die deine gemeinsame Sprache nicht gut beherrschen, in den Garten einladen oder sie sind bereits Teil deiner Gartengruppe? Besonders wenn du das Konzept des interkulturellen Gärtnerns vorstellst oder erklärst, wie der Garten funktioniert, kann eine Übersetzung in ihre Muttersprache sehr hilfreich sein. Manchmal sprechen andere Gärtner beide Sprachen und können helfen. Ansonsten kannst du Dolmetscher in befreundeten Organisationen suchen. Kinder um Dolmetschdienste zu bitten – die oft die gemeinsame Sprache besser beherrschen – kann eine gute Idee sein, wenn es um angenehme und einfache Themen geht. In Konfliktsituationen oder bei Problemen ist es nicht ratsam, Kinder einzubeziehen.

Verwendung nonverbaler Sprache

Wenn du etwas erklärst, versuche, so oft wie möglich nonverbale Kommunikationsmittel zu verwenden, um deine Erklärung zu unterstützen. Auf Dinge zu zeigen, über die du sprichst, Handlungen zu imitieren oder positive oder negative Zeichen zu geben, kann eine große Hilfe sein. Verwende anstelle von schriftlichen Erklärungen, z. B. für den Komposthaufen oder den Geräteschuppen, Grafiken und Zeichnungen.

Übersetzung schriftlicher Informationen und mehrsprachige Beschilderung

Wenn ihr schriftliche Informationen habt, die für alle zugänglich sein sollten, wie z. B. Gartenregeln, Informationen zur Mitgliedschaft oder Willkommensnachrichten, denkt daran, sie in die Sprachen zu übersetzen, die in eurem Garten oder in eurer Nachbarschaft gesprochen werden. Dies zeigt, dass ihr anderen Sprachen einen Wert beimisst, und hilft den Menschen, Sprachbarrieren zu überwinden.

Wie in L2.T2 beschrieben, können mehrsprachige Schilder hilfreich sein und zeigen auch, dass eure Gartengruppe anderen Sprachen einen Wert beimisst.

Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund bringen unterschiedliche Perspektiven in den Garten ein. Dies ist in erster Linie ein großer Reichtum, von dem eure gesamte Gruppe profitieren kann. Dennoch können Handlungen und Verhaltensweisen, die von einer Person als positiv empfunden werden, bei anderen negative Gefühle hervorrufen oder ihre Teilnahme behindern. Es ist wichtig, Unterschiede zu verstehen und herauszufinden, was die Menschen beitragen können.

Ein Beispiel für kulturelle Unterschiede sind unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten.

In vielen engagierten und emanzipatorischen Gruppen ist es üblich, im Kreis zu sitzen, und jeder ist eingeladen, zu sagen, was in der Gruppe gut funktioniert und was nicht, welche Probleme auftreten und auch, was ihnen nicht gefällt und was sie ändern möchten. Gleichzeitig ist es für viele Menschen unmöglich oder sehr unhöflich, Kritik in einem so öffentlichen Rahmen zu äußern. Sie würden dies nur in einem Einzelgespräch tun oder wenn sie mit einer dritten Person – einer Art Vermittler – sprechen, die dann mit der anderen Person spricht. In einem Kreis zu sprechen, kann für einige Gruppenmitglieder also ziemlich ausschließend sein, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist.

Ein Tipp von Gardens of Sanctuary:
„Bitte Menschen mit möglichst unterschiedlichen Hintergründen um Feedback zu deinen Aktivitäten.“

PROBIERT ES SELBST AUS:

Biete verschiedene Möglichkeiten an, um Ideen für Verbesserungen oder Feedback zu sammeln, und finde heraus, was am besten zu deiner Gruppe passt. Hier ein paar Vorschläge:

  • eine Box, in die die Leute Postkarten oder kleine Briefe mit ihren Ideen oder Kritik einwerfen können
  • eine Person, die nicht Teil des Lenkungsausschusses ist, aber als Ansprechpartner für Beschwerden oder Ideen fungiert
  • ein Gesprächskreis mit einem Sprechstab
  • informelle Gespräche in kleineren Gruppen, um über Ideen und Verbesserungen zu sprechen
  • ein anonymer Fragebogen (online oder offline) nach bestimmten Aktivitäten oder als Teil eures Saisonabschlusses
Geschlechterwahrnehmung und unterschiedliche Einstellungen

Depending on where and how people are socialised their perception of gender and treatment of different genders might vary a lot. Also attitudes towards sexual orientation, other ethnic groups of the same Nationality or freedom of expression differ depending on how people grew up. Don’t be afraid to tackle such topics and lead open respectful discussions. This can help people to understand different perspectives. In all discussions make clear that discrimination of any kind is not tolerated.

Check if there are special needs in your group. E.g. some women might feel able to attend only female-only sessions. Also reflect on the distribution of tasks in your group and hidden gender stereotypes.

In den letzten Jahren sind psychische Probleme bei Jugendlichen und Erwachsenen immer häufiger geworden. Menschen, die unter schwierigen Umständen geflohen oder migriert sind, sind noch stärker gefährdet, psychische Probleme zu bekommen. Menschen mit psychischen Problemen kommen möglicherweise in den Garten, um sich zu entspannen und von den therapeutischen Eigenschaften des Gärtnerns zu profitieren. Obwohl sie den Garten als sichere Umgebung empfinden, lassen ihre Krise, ihr Trauma oder ihr psychisches Problem sie nicht vor der Gartentür zurück. Seid also besonders dann, wenn ihr mit Flüchtlingen arbeitet, vorbereitet und habt ein klares Verfahren, wie ihr mit psychischen Problemen umgeht.

Sofern eure Gartengruppe nicht über Fachkräfte verfügt, die darin geschult sind, Menschen in psychischen Krisen zu unterstützen, versucht nicht, ein auftretendes Problem allein zu bewältigen. Seid sensibel dafür, was die Menschen brauchen, und gleichzeitig sehr klar, was ihr als Einzelperson oder Gruppe anbieten könnt und was nicht. Jemandem, der einfach nur jemanden braucht, der zuhört, ein offenes Ohr zu schenken, kann vollkommen in Ordnung sein. Die Bewältigung schwerer psychischer Probleme erfordert professionelle Unterstützung.

Menschen ernst zu nehmen und sie an Hilfsorganisationen und Fachleute zu verweisen, kann etwas sein, das du anbieten kannst. In Notfällen zögere nicht, dich an dein örtliches Krisenteam zu wenden oder einen Krankenwagen zu rufen.

Wenn du Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund in deiner Gartengruppe hast, kann das auch bedeuten, dass du es mit Menschen mit sehr unterschiedlichen Einkommensverhältnissen zu tun hast. Sei dir bewusst, dass einige Menschen mit starken finanziellen Einschränkungen zu kämpfen haben, und sei darauf vorbereitet, sie dabei zu unterstützen, Teil der Gartengruppe zu sein, ohne dass sie sich gedemütigt fühlen.

Eine kostenlose Mitgliedschaft im Garten sowie Unterstützung bei Transport, kostenloses Saatgut oder Pflanzen können für Menschen mit sehr begrenztem Budget eine große Hilfe sein. Auch eine gemeinsame Mahlzeit am Ende einer Sitzung (die viele weitere positive Auswirkungen hat) erleichtert Menschen, die von Lebensmittelarmut betroffen sind, den Zugang zu hochwertigen frischen Lebensmitteln. Die Bereitstellung von Ausrüstung wie Stiefeln, Handschuhen und Transportmitteln für Ausflüge ist ein weiterer Vorteil.

Fundraising & Förderungen

Finanzielle Mittel zu haben, ohne von den Beiträgen der Mitglieder abhängig zu sein, hilft euch dabei, eure Aktivitäten inklusiver zu gestalten. Es gibt viele Möglichkeiten, als Gartenprojekt Spenden zu sammeln:

  • Veranstaltet eine Gartenparty, ladet die Nachbarschaft ein und bittet um Spenden für Essen und Getränke oder Produkte aus dem Garten (im Einklang mit den örtlichen Vorschriften).
  • Veranstaltet einen Flohmarkt.
  • Bittet lokale Unternehmen um Unterstützung und bietet Sichtbarkeit an eurer Gartenhütte oder eurem Gartenzaun an.
  • Wenn ihr über die nötigen Ressourcen und etwas Fachwissen in der Gruppe verfügt, könnt ihr auch eine Crowdfunding-Kampagne starten.
  • Achtet auf Stiftungen, die sich auf interkulturelle Begegnungen oder Umweltfragen konzentrieren.

Ihr könnt euch auch an die Verantwortlichen eures Distrikts oder eurer Gemeinde wenden, um Unterstützung zu bitten, oder euch über regionale und nationale Förderprogramme der Sozial-, Migrations- oder Umweltabteilungen informieren.

Erstattung von Kosten für Freiwillige

Einige Gemeinschaftsgärten verkaufen einen Teil ihrer Erzeugnisse und haben Wege gefunden, die im Garten arbeitenden Menschen für ihre Bemühungen zu entschädigen. Wenn ihr dies vorhabt, stellt sicher, dass ihr die Vorschriften bezüglich des Rechts bestimmter Gruppen, wie Asylsuchende, auf Gelderwerb einhaltet.

Beispiel Traiskirchen:

Der Garten der Begegnung in Traiskirchen, Österreich, ist ein interkultureller Garten auf öffentlichem Grund. Viele der Gärtner sind Asylbewerber. In Österreich ist es Asylbewerbern im Allgemeinen nicht gestattet zu arbeiten. Sie haben eine Aktivität namens „Orientalisches Frühstück“ ins Leben gerufen, bei der sie gemeinsam einen Brunch zubereiten und die Leute kommen und für das Essen spenden können. So erhalten sie eine kleine Vergütung.

Gartenbeiträge

Gartenbeiträge können wichtig sein, um die Kosten deines Projekts zu decken. Sie können auch dazu beitragen, das Engagement der Menschen zu erhöhen. Wenn du von den Mitgliedern des Gartens oder den Teilnehmern von Gartenaktivitäten eine Gebühr verlangst, stelle sicher, dass es eine leicht anwendbare Ermäßigung oder eine kostenlose Version für Menschen mit geringen Mitteln gibt. Dies kann jeder sein, der je nach seinen Möglichkeiten spendet, oder es können verschiedene Systeme vorhanden sein, bei denen die Menschen nach eigenem Ermessen zahlen.

Lektion Quiz

Die GARDENISER ACADEMY Plattform ist fast da!

Wir bauen derzeit die GARDENISER ACADEMY Schulungsplattform auf – ein Raum, der Gärtnerinnen und Gärtnern in ganz Europa kostenlose Schulungen bietet.

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